Wie Achtsamkeit deine mentale Gesundheit verbessern kann

Geposted von Andrea Pitz am

Im Rahmen der Mental Health Awareness Week, die dieses Jahr unter dem Motto „Kindness“ steht, haben wir für euch das erste Interview in unserem Magazin geführt. Da uns das Thema ganz besonders am Herzen liegt, fand das Interview auch mit einem ganz besonderen Gast statt: Larissa Weiss, Gründerin von Generation MIND., einer Plattform rund um das Thema Achtsamkeit. Sie macht dort über ihren Podcast und Blog sorgfältig ausgewählte Inhalte für alle an Achtsamkeit interessierten Personen leicht zugänglich. 

 

Liebe Larissa, danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast. Erzähl’ uns doch bitte zum Einstieg, was Achtsamkeit überhaupt ist

Danke, dass ich euer Gast sein darf! Per Definition ist Achtsamkeit die Aufmerksamkeit auf den aktuellen Moment, den man bewusst und ohne Wertung wahrnimmt. Kürzlich habe ich etwas gelesen, das ich als Ergänzung zu dieser Definition auch sehr schön finde: Achtsamkeit ist die Wahrnehmung des eigenen Umfelds in Breitband, also in High Quality. Man nimmt gute, aber auch schlechte Momente stärker und intensiver wahr.

 

Du sagst, es gibt einen Unterschied zwischen der Frage „Wie geht’s?“ Und „Wie fühlst du dich?“. Kannst du uns dazu etwas genaueres erzählen?

Grundsätzlich kann man sagen, dass die beiden Fragen unterschiedliche Ebenen ansprechen. Die Frage „Wie geht es dir?“ spricht eine andere psychische Ebene an. Die Frage hast sich zu einer Phrase entwickelt, die meist die automatische Antwort „Gut.“ mit sich bringt. Das kommt daher, dass sich die Antwort als Gewohnheit eingeschlichen hat. „Wie geht’s?“ dient also eher als Gesprächsöffner und spricht somit die rationale Ebene an.

Die Frage „Wie fühlst du dich“ spricht dagegen die Gefühlsebene an. Das irritiert Menschen, da sie mit einem einfachen „Wie geht’s?“ rechnen und auf die eigentliche Frage keine gespeicherte Antwort haben. Dann müssen sie kurz überlegen, was sie auch irritieren kann.

Mental Health Awareness Week

 

Kann ich dann trotzdem jeden damit ansprechen, oder sollte ich auf „Wie geht’s?“ zurückgreifen, um keine Irritationen bei meinem Gegenüber zu verursachen?

„Wie fühlst du dich?“ ist von beiden fragen die schönere und ehrlichere, da sie darauf abzielt, wie es dem Gegenüber wirklich geht. Wenn aufrichtiges Interesse besteht, kann man diese Frage gerne verwenden.


Warum ist mentale Gesundheit noch immer ein wenig diskutiertes Thema, um nicht sogar zu sagen Tabuthema, in unserer Gesellschaft?

Spricht man über mentale Gesundheit, impliziert man damit, dass irgendetwas nicht stimmt. Dabei wird oft nicht beachtet, dass auch alles gut laufen kann und die mentale Gesundheit eben gut ist. Ich habe das Gefühl, dass mentale Gesundheit kein so großes Tabuthema mehr ist. Es ist völlig in Ordnung, Schwächen zu offenbaren.

Wenn wir ein gebrochenes Bein haben, gehen wir natürlich zum Arzt. Wenn wir also Probleme mit unserer Psyche haben, sollten wir auch genauso selbstverständlich einen Psychologen kontaktieren. Menschen haben häufig das Gefühl, immer stark sein zu müssen, dass Schwäche zeigen als schwach gilt. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Die wahre Stärke liegt darin, auch Schwächen zeigen zu können.

 

Welchen Einfluss kann Meditation auf die mentale Gesundheit haben?

Meditation fördert die Achtsamkeit wahnsinnig. Sie ist ein Kanal, um in die Präsenz zu kommen. Es gibt kein Gestern und kein Morgen und damit auch keine Zeit für Sorgen. Meditation zahlt so positiv in die mentale Gesundheit ein. Dabei wird versucht, sich über seine Gedanken zu erheben und sich nicht durch diese zu identifizieren. Man erlangt also eine Art Draufsicht auf seine Gedanken und vermeidet so, in eine Sorgenspirale zu gelangen. Sie schafft eine besondere Art der Aufmerksamkeit und ein gewisses Wohlbefinden durch Klarheit.

Meditation ist allerdings ein Prozess, an dem man dranbleiben muss. Da bin ich auch ehrlich mit euch: nach dreimal meditieren werdet ihr wohl noch keine großen Unterschiede feststellen. Erste Effekte sind nach 6-8 Wochen zu erwarten. Natürlich baut sich aber auch schon während dieser Zeit eine achtsame Haltung auf, von der profitiert werden kann.

 

Gibt es eine Übung, die du unseren Lesern an die Hand geben kannst,  um ein bisschen Achtsamkeit in ihren Alltag zu bringen?

Hierfür setzt ihr euch aufrecht auf einen Stuhl und habt die Füße fest auf dem Boden, wie verwurzelt. Lehnt auch dabei nicht an. Dann nehmt ihr drei ganz bewusste Atemzüge, in denen ihr euch  nur auf den Atem fokussiert. Atmet dabei 4 Sekunden ein und 6 Sekunden wieder aus. Das fördert die Entspannung durch eine verbesserte Sauerstoffzufuhr. Als Abwandlung dazu könnt ihr beim 3. Einatmen eure Schultern so weit hochziehen wie es geht und sie dann beim Ausatmen fallen lassen. Ihr könnt die Übung natürlich auch länger oder öfter am Tag durchführen.

 

Das kann man ja wirklich super in den Alltag integrieren, vor allem auch nach unangenehmen Ereignissen oder unschönen Mails.

Ja, die Übung kann so oft durchgeführt werden wie es sich gut anfühlt. Es lohnt sich, diese nach unschönen Ereignissen zu machen, da so eine unbedachte Antwort aus Reflex vermieden werden kann.

 

Das diesjährige Motto der Mental Health Awareness Week ist das Thema „Kindness“,  zu Deutsch „Güte“, „Freundlichkeit“ oder „Weichheit“. Was fällt dir spontan dazu ein?

Lachen und Lächeln! Das ist die schnellste Verbindung zwischen zwei Menschen. Auch Geben gehört für mich zur Freundlichkeit. Denn wer geben kann, ist reich. Freundlichkeit durch ein Lächeln zu schenken ist schon eine super schöne Geste. Dabei will ich unbedingt noch ergänzen, dass hierzu auch die Freundlichkeit mit sich selbst zählt! Sei nicht nur freundlich zu anderen, sondern auch zu dir selbst.

 

Liebe Larissa, wir danken dir für diese interessanten Einblicke ins Thema Achtsamkeit. Ich bin mir sicher, dass sich jeder mindestens einen für sich wichtigen Aspekt davon mitgenommen hat! Wo können unsere Leser dich für weitere Fragen kontaktieren?

Alle Informationen rund um Generation MIND. findet ihr unter www.generationmind.de oder auf Instagram und Facebook. Meinen Podcast findet ihr überall, wo es Podcasts gibt, z.B. auf Spotify oder Apple Podcasts. Wenn ihr Fragen oder Anregungen zum Thema habt, könnt ihr mir gerne eine Mail an larissa.weiss@generationmind.de schreiben. 

 

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